Das Feuer und die Liebe


von Corinne Hofmann Juni 22, 2018

Unter guten  Bedingungen begegnen sich zwei Menschen und beide finden die Idee ganz wunderbar, zusammen ein Feuer zu machen. Sie suchen Holz und finden es. Sie finden die geeignete Stelle, wo das Feuer entzündet werden soll. Das Wetter und das Holz sind trocken, ein leichter Wind geht. Es entzündet sich schnell und brennt lichterloh und heiss. Sie schauen zu und erfreuen sich dieser Leidenschaft. Irgendwann nehmen die Flammen ab und die Glut zu. Das ist der Moment, wo beide realisieren, dass sie jetzt in eine andere Phase des Feuers eingetreten sind. Dank der grossen Glut haben beide die nötige Kraft und den Willen, das Feuer an dieser Stelle nicht sterben zu lassen. Sie realisieren, dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist, grössere Holzstücke bereit zu halten, um das Feuer weiter zu nähren. Mit Bedacht fügen sie abwechslungsweise ein neues Stück hinzu. Das erste grosse Gewitter zieht auf und beinahe wäre das Feuer im Sturm und in den Wassermassen erloschen. Etwas benommen schauen sich beide an, schütteln sich und dann machen sie sich daran, dem Feuer wieder neues Leben einzuhauchen. Und so geht das dann, beide kümmern sich mal gemeinsam, mal abwechslungsweise. Wie lange das gehen wird, wissen beide nicht. Aber sie wissen, dass sie es spüren werden, wenn es wirklich Zeit ist, das Feuer zu verlassen. Und wenn es so weit sein sollte, werden beide zutiefst dankbar sein für das, was ihnen dieses gemeinsame Feuer alles ermöglicht hat. In Frieden werden beide ihres Weges gehen.

Unter weniger guten Bedingungen begegnen sich zwei Menschen und beide denken, dass es ganz schön wäre, zusammen ein Feuer zu machen. Sie wissen nicht so recht, wie man so etwas angeht und einer schlägt mal vor, man könnte doch Holz suchen gehen. Der andere findet eigentlich seien die Bedingungen für ein Feuer nicht so ideal, aber okay, wenn der Andere unbedingt will… Sie suchen Holz und finden ein paar feuchte Stücke. Weil es recht mühsam ist, feuchtes Holz zum Brennen zu bringen zweifeln beide schon bald mal, ob sich denn diese ganze Feuerarbeit überhaupt lohnt. Es produziert enorm viel Rauch und keine Wärme. Oder: Einer findet, dass es total Sinn macht, dieses feuchte Holz zum Brennen zu bewegen und der Andere steht halbherzig herum und ist unkonzentriert, worüber sich der Andere still oder laut beklagt. Wenn sie an diesem Punkt nicht wieder ausgestiegen sind, stehen sie mehr schlecht als recht dabei, bei ihrem Feuer, das einfach nicht in Gang kommen will. Aber jetzt, wo sie schon so weit gekommen sind, können sie sicher nicht einfach aufgeben! Ein bisschen Anstrengung hat schliesslich noch keinem geschadet! Also bemühen sie sich weiter und geben einander still oder laut die Schuld, dass es einfach nicht klappen will. Ab und zu kommt das Feuer ein bisschen in Gang und beide laben sich regelrecht an dieser kleinen Waffenruhe. Aber sie ist nie von Dauer. Weil beide wissen tief im Innern, dieses Feuer hat nicht wirklich einen Nährboden. Irgendwann verlässt einer der beiden total frustriert den Feuerplatz. Natürlich in der tiefen Überzeugung, dass der Andere einfach nicht bereit war für diesen Schritt. Mit gebrochenen Herzen gehen beide ihres Weges.




Corinne Hofmann
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